Glück - Folge 1
by J. Gilbert
Eliza weint beinahe, als sie in die Küche stürzt.
Ich schaue von meinem Keksteig auf.
Ich bin in Eliza verschossen, seit sie letzten Monat eingestellt wurde ...
Und ich hasse es, sie so traurig zu sehen.
Was ist los, Eliza?
Ist es schon wieder die Frau an Tisch acht?
Natürlich. Sie ist so gemein!
Ich bin nervös geworden und habe alle Bestellungen durcheinandergebracht.
Und der Manager hat mich angeschrien.
Sie sieht zu, wie ich den Teig rühre.
Ich wünschte, ich könnte stattdessen mit dir in der Küche arbeiten.
Ich auch.
Ich bin die Konditorin des Chinarestaurants „Glück“ …
Und Eliza ist hier Kellnerin.
Sie ist ... nicht sehr gut darin.
Aber sie bemüht sich so sehr.
Und sie ist so ein netter Mensch.
Ich finde, Eliza ist innen wie außen wunderschön.
Ich wünschte, ich hätte den Mut, ihr zu sagen, was ich für sie empfinde ...
Aber ich weiß nicht mal, ob Eliza auf Frauen STEHT.
Wenn sie sich weiter so beschweren …
Werde ich bestimmt entlassen.
Nein!!
Ich meine …
Das wäre furchtbar.
Eliza lächelt ein wenig.
Du bist so süß, Clementine.
Ich gehe lieber wieder raus.
Viel Glück.
Sie versucht, ihr Lächeln breiter zu machen ...
Aber ich kann immer noch Tränen in ihren Augen glitzern sehen.
Es macht mich total fertig, sie so traurig zu sehen!
Es gibt so vieles, was ich sagen möchte ...
Aber sie ist weg, ehe ich die richtigen Worte finden kann.
Ich starre hinunter in meine Teigschale ...
Und habe eine Idee.
„Glück“ ist berühmt für seine selbstgemachten Glückskekse.
Ich stelle jeden eigenhändig her ...
Und stecke eine Prophezeiung oder eine kleine Weisheit hinein.
Inspiriert rolle ich etwas Teig aus und mache mich an die Arbeit.
Bald richte ich den Keks, den ich speziell für Eliza gemacht habe, vorsichtig auf einem Teller an.
Ich lege eine frische Erdbeere daneben und träufele Schokolade darauf.
Das ist kein gewöhnlicher Glückskeks.
Ich werde sie damit am Ende ihrer Schicht überraschen.
Aber jetzt stelle ich ihn zur Seite und nehme meine Pause.
Als ich ein paar Minuten später in die Küche zurückkomme ...
Ist Elizas Keks verschwunden.
Ich frage die anderen Köche.
Niemand weiß, wo er hin ist.
Dann höre ich, wie im Restaurant jemand herumbrüllt.
Als ich nach draußen luge ...
Sehe ich, wie die Frau von Tisch acht Eliza anstarrt.
Unsere Chefin steht in der Nähe und sieht besorgt aus.
Wie können Sie es WAGEN?
Erst bringen Sie unsere Bestellungen durcheinander ...
Sie wedelt aggressiv mit einem Zettel vor Elizas Gesicht herum.
Und dann MACHEN SIE MEINEN MANN AN?
Wovon reden Sie??
Die Frau liest von dem Zettel vor.
„Es tut mir so leid.“
„Diese Frau ist ein totales Miststück.“
„Wenn du mir je schreiben willst, um dich bei mir auszukotzen ...“
„Oder einfach so ...“
„Hier ist meine Nummer.“
Sie starrt Eliza an.
Ernsthaft?
DAS ist die Weissagung, die Sie meinem Mann gegeben haben??
Oh.
Oh NEIN.
Das ist von dem Glückskeks, den ich für Eliza gemacht habe.
Wie ist er an Tisch acht geraten??
Es …
Es tut mir so leid!
Ich weiß nicht, wie das passiert ist.
Das sagen Sie nur, weil Sie erwischt wurden.
Unsere Chefin wendet sich an Eliza.
Eliza? Stimmt das?
Natürlich nicht!
Das muss ein Fehler sein.
Ich …
Sie wird rot.
Ich stehe nicht mal auf Männer.
Die Frau zeigt auf Eliza.
Ich will, dass sie GEFEUERT wird.
Aber …
Der Gast hat immer recht …
Und ICH BIN der Gast!
Ich kann nicht zulassen, dass Eliza meinetwegen ihren Job verliert.
So sollte sie nicht erfahren, was ich für sie empfinde ...
Aber ich habe keine Wahl.
Ich renne durch das Restaurant.
Warten Sie!
Alle drehen sich in meine Richtung.
Das ist alles meine Schuld.
Ich habe den Keks gemacht!
Gnädige Frau, er war nicht für Ihren Mann bestimmt.
Ich wende mich Eliza zu.
Ich habe ihn für DICH gemacht.
Was?
Sie runzelt verwirrt die Stirn.
Als ich gesehen habe, wie schön er angerichtet war …
Dachte ich, du wolltest, dass ich ihn an Tisch acht bringe.
Als Entschuldigung für ihre …
Eliza wirft einen Blick auf die Frau.
Suboptimale Erfahrung hier im „Glück“.
Der Keks war für mich?
Ich wollte dich aufheitern …
Und dir sagen, was ich für dich empfinde.
Elizas Gesicht erhellt sich.
Sie wischt sich eine Träne von der Wange.
Oh Clementine.
Genug von diesem Unsinn.
Feuern Sie diese Kellnerin oder nicht?
Unsere Chefin seufzt.
Eliza, ich verstehe, dass der Keks nicht Ihre Schuld war.
Aber „Glück“ kann keine schlechten Erfahrungen der Gäste tolerieren …
Und davon passieren zu viele an Ihren Tischen.
Ich fürchte, ich muss Sie gehen lassen.
Machen Sie WITZE?
Eliza hat nichts falsch gemacht.
Wenn Sie sie entlassen …
Ich hole tief Luft.
Dann kündige ich ebenfalls.
Clementine, nein!
Das ist es nicht wert.
Ich schaue Eliza an.
Oh, das ist es auf jeden Fall wert.
Unsere Chefin schüttelt verzweifelt den Kopf.
SIE können wir nicht verlieren, Clementine!
Niemand sonst kann Glückskekse so backen wie sie.
Wir brauchen Sie!
Ich bin dabei, ein großes Risiko einzugehen.
Das hier könnte mich meinen Job kosten.
Ich bin gewillt, ihn aufs Spiel zu setzen ...
Für Eliza.
Wenn Sie mich brauchen …
Dann brauchen Sie Eliza auch.
Aber nicht als Kellnerin.
Was meinen Sie?
Ich brauche eine Assistentin in der Küche.
Eliza wäre perfekt.
Eliza reißt die Augen auf.
Sie presst die Lippen zusammen, während sie auf die Antwort der Chefin wartet.
Ich denke, das können wir probieren.
Wenn wir Eliza als Ihre Assistentin behalten …
Versprechen Sie zu bleiben, Clementine?
Ich verspreche es.
Die wütende Gästin schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
Das ist unzumutbar.
Ich werde die schlechteste Bewertung für „Glück“ schreiben, die Sie je bekommen haben …
Und die werde ich ÜBERALL veröffentlichen.
Ein Gast am Nebentisch macht den Mund auf.
Und wir werden alle positive Bewertungen schreiben, um ihre wettzumachen.
Andere Gäste schließen sich an.
Alle versprechen, eine Bewertung zu posten.
Offenbar haben sie diese Frau alle genauso satt wie ich.
Sie und ihr Mann stürmen aus dem Restaurant.
Ich schaue Eliza an.
Was sagst du?
Bist du bereit für die Ausbildung für deinen neuen Job?
Eliza grinst.
Ich habe sie nie so breit lächeln sehen.
Sie strahlt förmlich, wenn sie lächelt.
Ich bin bereit.
Wir gehen unter dem Beifall der übrigen Gäste zurück in die Küche.
Zurück an meiner Konditorstation ...
Berührt Eliza meinen Arm.
Eine Sache verstehe ich nicht.
Warum hast du mir nicht einfach GESAGT, was du empfindest?
Ich werde rot.
Ich wollte mich nicht lächerlich machen …
Und vermeiden, dass du peinlich berührt wirst, wenn du nicht dasselbe empfindest.
Was du da draußen gesagt hast …
Dass Typen dich nicht interessieren …
Stimmte das?
Eliza lächelt.
Sie steht auf Zehenspitzen und küsst meine Wange.
Ja.
Glaub mir, Clementine …
Du musstest dir keine Sorgen darüber machen, ob ich dich mag.
Ich bin seit meinem ersten Tag in dem Job in dich verschossen.
Mein Herz hämmert so, als müsste es vor purer Freude zerspringen.
Sie küsst mich noch einmal ...
Und dieses Mal nicht auf die Wange.
Ihr Kuss ist süßer als jeder Keks, den ich backen könnte.
Endlich lehnt sie sich zurück und lächelt.
Obwohl ich den Keks nicht bekommen habe, den du für mich gemacht hast …
Sie taucht ihren Finger in Mehl und tippt mir damit auf die Nase.
Habe ich alles Glück, das ich brauche.
App